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Sieghartskirchen 1930
(Theresienbad) Eine fast unentbehrlich gewordene Bade- und Versorgungsstätte für unsere Sommergäste ist das hiesige THERESIENBAD, das schon im Jahre 1901 von der Gemeinde Sieghartskirchen erbaut wurde und von Fremden und Heimischen recht eifrig besucht wird.
Es liegt an der Mündung des Elsbaches in die Kleine Tulln, ferne vom Staub und Lärm der Bundesstraße, begrenzt von einer kleinen Parkanlage und ist auch durch eine Zufahrtsstraße für Auto und Wagen erreichbar.
Das Flächenausmaß der gesamten Badeanlage mit Vorgarten beträgt rund 12 Ar. Das Wasserbecken, umgeben von einem Schutzgeländer, ist 25 m lang, 10 m breit, 1,7 m tief (größte Tiefe) und mit Beton ausgekleidet. Dieser Baderaum wird vom Elsbache gespeist und wöchentlich 2 mal entleert, außerdem ist für einen dauernden Zu- und Abfluß gesorgt. Das Kinderbad mit einer Wasserfläche von rund 16 m² ist abgeschlossen und hat eine Tiefe von 60 cm.
Zur Aufbewahrung der Kleider dienen 31 Einzel- und 12 Kastelkabinen. An Sitzgelegenheiten und Liegestätten für Sonnenbäder fehlt es nicht. Badewäsche sowie Schlauchringe zum Schwimmen sind beim Bademeister Herrn Adolf SCHROTH leihweise erhältlich, der auch Unterricht im Schwimmen erteilt. Auch 2 Kabinen mit Vorräumen für Wannenbäder sind vorhanden (im Winter geheizt), ferner eine Doucheanlage und ein Waschraum.
Im Vordergrund steht eine gedeckte Veranda mit Oberbau. Der derzeitige Pächter, Herr Bademeister A.SCHROTH spart weder Zeit noch Mühe, um seinen Besuchern den Aufenthalt recht froh und angenehm zu gestalten.
Recht lustig geht es da an schönen Sonntagnachmittagen im THERESIENBAD zu. Die "Kurmusik" besorgt der Bademeister selbst mit seiner "Kapelle", - bestehend aus einem Grammophon und Schlagwerk. Alle Musik kommt zu Ehren: Vom alten Wienerlied, zum neuesten Schlager. Dazu singen oder tanzen die einen, andere spielen Tischtennis oder "Quartett". Hier lässt sich ein Häufchen Leiber von der Sonne heiß und rot küssen, dort sitzt ein Kleeblatt beim Tarock, in einem stillen Winkel hocken zwei Schweigsame gähnend und satt beim Schach und umfangen schüchtern den Leib ihrer hölzernen Damen.
Zu Zeiten kommt ein Amateurphotograph aus seiner Kabine im Bademantel, um wieder einige hübsche Gruppen abzuknipsen. Auch für erfrischende Getränke und Süßigkeiten ist gesorgt. Und abends, wenn oft schon der Mond wie ein silbernes Schifflein sich im Wasser spiegelt, ist´s im THERESIENBAD manchmal noch lebhaft, - oft genießen aber "Unentwegte" die herrliche Stille und den Abendfrieden. Bei stärkerem Abendbesuch weiß sich der Herr Bademeister auch zu helfen, wenn an mondsen Abenden die Dunkelheit hereinbricht.
Künstliche Bestrahlung mit 300 - 500 kerzenstarken Scheinwerfer. Noch immer singt das Grammophon, - jetzt leiser, leiser! Im Hintergrund unter den vom sanften Abendwind leicht bewegten Tannen, - 2 Menschenkinder, im Dunkeln.
Zu Ende geht einwunderschöner, friedvoller Badetag, ferne allen kleinlichen Alltagssorgen!
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